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Meine Position in der Spitaldiskussion

Meine Position in der Spitaldiskussion

Ich wurde in den letzten Tagen wiederholt auf meine Position in der Spitaldiskussion angesprochen. Diese ist klar - der Standortentscheid steht nicht am Anfang, sondern am Schluss der Diskussion. Ein Plädoyer für eine sachliche Diskussion und weshalb ich genau darin eine Chance für das Spital Wattwil sehe.

Die Spitaldiskussion ist im vollen Gange und wird nicht zuletzt nun auch aus wahltaktischen Gründen ausgeschlachtet. Wer den Erhalt des Spital Wattwil fordert, macht dies bestimmt aus guten Gründen. Für mich steht der Standortentscheid aber nicht am Anfang, sondern am Schluss der Diskussion. Regionalpolitik darf nicht im Zentrum stehen (hat jedoch  durchaus seine Berechtigung), zuerst muss aber die Spitalstrategie als Ganzes geklärt werden

Der Ablauf der Kommunikation und Information in den letzten knapp 2 Jahren ist schlicht unwürdig. Angefangen mit der Schliessungsinformation zwei Tage vor der Eröffnung des Neubaus, über die Salamitaktik bezüglich des weiteren Verlaufs der Bauarbeiten bis hin zu den teilweise schlicht falschen Zahlen. Da ging sehr viel Vertrauen verloren.

Fakt ist, dass sich in den letzten Jahren vieles geändert hat. Die neue Spitalfinanzierung (Pauschalpreise, Spitallisten, geänderte Kostenaufteilung), eine verschärfte Spezialisierung der Medizin (Mindestfallzahlen notwendig), eine zunehmende Mobilität und die Entwicklung von stationären zu ambulanten Eingriffen (80% der Operationen sind planbar, sprich der Standort wird zunehmend sekundär). Fakt ist auch, dass dies Einfluss auf die Finanzen der Spitäler hat. Ein "Weiter wie bis anhin" geht nicht, der Strukturwandel ist dringend. Schweizweit hat die Anzahl Spitäler seit 1990 von 450 auf 321 abgenommen, im Kanton St.Gallen blieb die Zahl  unverändert. Wer wie die SP den Erhalt aller Spitäler fordert, blendet die Realität aus oder will einfach jedes Problem mit mehr Geld lösen. Und wer aus reiner Regionalpolitik den Erhalt des Spital Wattwils fordert, dient der Diskussion auch nur bedingt.

An der aktuell zur Diskussion stehenden Strategie stören mich vor allem folgende Punkte:

1. Die Strategie ist kantonal aufgegleist, die Standortentscheide ohne Blick über die Kantonsgrenzen hinweg gefällt. Eine klare Bedarfsplanung fehlt. Die aktuelle Standortentscheide sind wohl so gefällt worden, dass möglichst wenig Patienten in andere Kantone abwandern. So sind die Standorte zwar durchaus logisch, aber das ist kleinräumig und kurzfristig gedacht. Nun soll Bewegung ins Spiel kommen, eine interkantonale Zusammenarbeit wird angestrebt. Das hat aber Einfluss auf die Strategie und die Standortentscheide.

2. Die Kennzahlen sind unvollständig. Zuerst gab es keine standortspezifischen Zahlen, nun sind es Annäherungszahlen (sind diese korrekt?), zudem werden Äpfel mit Birnen verglichen. Das Spital Wattwil war in den letzten Jahren in der Bauphase, nun werden Abschreibungen belastet. Das muss in einer langfristigen Betrachtung mit berücksichtigt werden. Zudem fehlen Zahlen auf konsolidierter Basis (keine Gewinnverschiebungen innerhalb der Spitäler aufgrund interner Dienstleistungen).

3. Der Kanton ist befangen, hat eine Mehrfachrolle inne. Planer, Einkäufer, Finanzierer, Aufsichtsorgan, Tarifgenehmiger, Spitalbetreiber, etc. Ganz so, wie wenn ein Fussballtrainer beide Mannschaften coacht und gleichzeitig Schiri ist. Das kommt nicht gut.

 

Der Strukturwandel ist dringend und muss sofort angepackt werden. Falsche Entscheide sind aber zu vermeiden, deshalb muss die Strategie zurückgewiesen werden. Ziel ist eine qualitativ hochwertige und finanziell tragbare Gesundheitsversorgung. Die Entscheide dürfen nicht aus rein regionalpolitischen Überlegungen gefällt werden. Ich fordere deshalb folgendes:

1. Keine kantonale Planung, sondern Denken in funktionalen Räumen. Für eine Gesundheitsregion Säntis! Bis diese lösungsoffene Bedarfsplanung steht, sind keine Spitalschliessungen vorzunehmen. Notfalls müssen Überbrückungskredite gesprochen werden. Es muss aber rasch und konsequent gehandelt werden. Die Unsicherheit für Personal und Regionen muss rasch beendet werden.

2. Transparente und ehrliche Finanzkennzahlen auf konsolidierter Basis.

3. Die Notfallorganisation muss in allen Regionen gesichert sein, die Hausärzte sind in die Planung einzubeziehen (integrierte Notfallpraxen).

4. Anpassung und Vereinfachung der Unternehmensstruktur. Auflösung der vier Spitalregionen.

5. Offene und transparente Kommunikation von beiden Seiten. Dazu braucht es wohl neue Köpfe.

 

Dieser Prozess muss sauber durchgeführt werden, dann wird die Bevölkerung auch bereit sein, Spitalschliessungen zu akzeptieren.

Ohne nun eine Lösung vorwegzunehmen: Aber wenn Finanzen, Versorgungssituation/Erschliessung, Abdeckung mit Zentrumsspitälern (Winterthur, Frauenfeld, Chur), etc. berücksichtigt werden, wird es schlussendlich noch zwei bis vier Spitäler im Kanton brauchen: St.Gallen (Zentrumsspital), Grabs (evt. Vaduz), oberer Zürichsee (Uznach/Lachen SZ, etv. Glarus) und Wattwil. Der Entscheid für diese Standorte muss sachlich korrekt und emotionslos erfolgen. Regionalpolitik soll bedingt mit in die Diskussion einfliessen, darf jedoch nicht dominierend sein.

 

 

Frühere Beiträge zur Thematik:
01.06.2018 - Zukunft der Gesundheitsversorgung sichern - aber nicht so
24.11.2018 - Fragekatalog zur Spitaldiskussion
08.05.2019 - Management by Hauruck
20.12.2019 - Vernehmlassungsantwort

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